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Webnews







see me bleeding

Wieder daheim, ganz daheim, ein Haus ganz für mich alleine. Wieder läuft Satura. Diese Musik ist in gewisser Weise zu einer alltäglichen Einschlafmusik geworden. Etwas vertrautes, etwas wiederkehrendes, beruhigendes. Es sind die Fänge der Nacht, die mich haben dürfen, die Dunkelheit in die ich falle wenn dazu eben jene Textzeilen erklingen
"Mit feuchten Augen blicke ich zurück
Meine Lippen zittern hilflos überfordert
"
(Lacrimosa, Satura, Versuchung)
Diese Zeilen die vielleicht mehr denn je meiner Seele entsprechen. Fehler der Vergangenheit oder auch der Gegenwart, Entäuschungen, zurückgeworfen in die Einsamkeit. Der Fall ist tiefer, wenn man oben kennt - ja wie wörtlich doch zu nehmen. Natürlich denkt man zwei Wochen lang, wo man in Action ist und entweder über die klassischen Freakthemen oder das Hobby spricht, dass man eben macht, nicht soviel über sich und seine Situation nach. Vielleicht kommt gerade deswegen mehr hoch. Aber wenn die Bilder der Hoffnung nur in verblassten Schatten an den Sphären meines Denkens streifen und gleichsam ihren Glanz der Hoffnung verlieren... verliert sich darin die Kraft nach neuem zu schöpfen und nach oben zu streben. Und wenn, dann gibt es nur diesen einen Weg der nach oben zeigt - erst in den Grenzbereichen wartet neues, erst dort beginnt das Leben, was ihr nicht kennt. Aber dort beginnt die Einsamkeit, gemischt mit dem Pathos eines gefallenen Genies. Nichts davon, was sich zu gehen lohnt, um nach dem Glück zu streben. Das wäre wohl zu einfach. Vielleicht doch einmal wieder diese so simple und doch so weitreichende Satz - 'Ich will doch einfach nur glücklich sein'?
1.9.07 23:44


battle royale

Eigentlich muss ich hier nicht immer über mich schreiben. So ein Egoist bin ich doch gar nicht, ich bin es viel zu wenig für diese Welt. So viele Enttäuschungen von Leuten bei denen ich glaubte daran gut zu tun ihnen zu helfen. So viel Energie, die verschwindet in Sphären, wo sie keine Menschenseele jemals sehen wird. Ein Theater für Träume.

Was anderes. Ich wollte ja nicht über mich schreiben, sondern über diesen Film namens "Battle Royale". Er ist hierzulande wenig bekannt, was vielleicht daran liegt, dass sich die Bundeszensurbehördeprüfstelle für jugendgefährende Medien recht erfolgreich diesen Film vor jedem Bekanntwerden auf dem Index hatte. Natürlich fließt ein bisschen mehr Blut als im Tatort (aber wahrscheinlich weniger als in Passion Christi) und kommen ein bisschen viele Menschen im MG-Feuer zu Fall (sicher weniger als in Soldat James Rayn). Aber natürlich ist das ein Thema, was man hierzulande nicht so gerne haben möchte - Japan in der Zukunft, die ach so strenge Disziplin und der Drill der Schüler konnten sich nicht halten und die Jugend der Nation ist zu einem verweichlichten Haufen verkommen. Die einzige Abhilfe ist das "BR"-Gesetz (was kreativerweise genau für "Battle Royale" steht - wie klar, linear und unsubtil das Konzept in dem Film sichtbar ist, würde ich eher als eine der Schwachpunkte der Geschichte ansehen), nach dem jedes Jahr zufälligerweise ein Schulklasse ausgewählt wird, die auf einer einsamen Insel ausgesetzt wird. Die Schüler sind mit Peilsendern ausgerüstet, mit einem geringen Ausrüstung und variierender Bewaffnung - von Topfdecken bis automatischen Maschinenpistolen. Das Spiel ist auf 3 Tage angesetzt und hat nur ein Ziel: Der einzige Überlebende zu sein, sprich die anderen zu eliminieren. Lebt mehr als einer nach 3 Tagen, so werden alle verbliebenden durch Bomben in den nicht abnehmbaren (bzw. bei dem Versuch dazu explodierenden) Peilsendern zur Strecke gebracht.
Diese Idee hat was. Als gnadenlose Satire auf das völlig übertriebene japanische Erziehungssystem gesehen auffassbar oder - weiter gefasst - als Metapher für den Konkurrenzkampf des Lebens an sich. An der Spitze einer stehen, das als Grundtatsache der heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung haben viele wohl erst später gelernt, nachdem sie in der 5ten Klasse noch bei Wettbewerben mitgemacht haben "wo man nichts verlieren kann aber jeder gewinnen". Natürlich gibt es Freundschaften, aber natürlich ist es ein bisschen dumm in einem Battle Royale mit der besten Freundin einen netten Plausch zu halten, ihr die Pistole spaßeshalber in die Hand zu geben und sich wenige Sekunden später zu wundern, dass diese auf einen gerichtet wird.
Extremsituationen, im Grenzbereich des Denkbaren, gerade solche gedanklichen Szenarien üben eine gewisse Faszination auf mich aus.

"Sie lächelt, sehen Sie das, sie lächelt!" Das kleine Mädchen läuft mit blutverschmierten Shirt und einem Kuscheltier im Arm an dutzenden Schaulustigen und Reportern vorbei - die Gewinnerin des vorherigen Battle Royale. Ich glaube ab diesem Moment sollte klar werden, dass es sich hier mehr um eine bitterböse Gesellschaftssatire als um eine Glorifizierung von Gewalt geht. Es ist mehr oder weniger alles in dem Film, was man sich von einem solchen Thema erwartet. Die Psychologie der Gruppendynamik, Bündnisse im Kampf um Leben und Tod, verrätertum und subtile Kriegsführung. Es kann nur einen geben, der gewinnt, den Rest, denn muss man killen. Manche Manager reden so ganz ernsthaft in Interviews. Kinder tun dies, wenn sie keine andere Wahl haben. Es gibt sie, die laut rufend herumrennen "Kommt alle dort hin, wir versammeln uns und tun etwas gemeinsam." Und sie sind Futter für die Kanonen, gleich dem, wenn man bei einem Unfall bei Nacht über die Autobahn laufen würde um andere Fahrer warnen.

Genug. Man kann sich diesen Film anschauen und ein Urteil dazu bilden. Man könnte jede beliebige Schulklasse dieser Welt hernehmen und es würde funktionieren. Es entschlüsselt die wahren subtilen sozialen Gefüge und Strukturen besser als es jeder Psychanalytiker jemals könnte. Natürlich ist es ein Irrsinn und natürlich ist ein Erziehungssystem, dass nichts als den rücksichtlosen Konkurrenzkampf heraufbeschwört, keines das wir haben wollen. Ein ist ein Kampf im Sinne der Evolution - das der besser angepasste sich durchsetzt. Und was erschaffen wir dabei, als Einzelkämpfer in Grenzbereichen? Dass, was situativ am effektivsten ist. So entsteht keine Kunst, ensteht keine schöpferische Kreativität, sondern nur das greifen nach den Strohalmen. Sie können groß sein, aber vielleicht sollten wir uns überlegen, ob wir damit Brücken nach vorne statt Palisaden nach hinten bauen könnten. Natürlich werden die Besten gewinnen. Aber vielleicht laufen sie ja nach vorne um neue Sphären zu entdecken und kämpfen nicht hinten, auf dem letzten Platz der noch zum Leben bleibt.
5.9.07 23:56


bleibt nur die frage nach dem neubeginn

Es ist eine seltsame Situation, so etwa wie zwischen Ende und Neubeginn. Die Zeit hier daheim ist wieder vorbei, Amerika, ich komme. Nein ich wandere nicht aus, "nur" für einen Monat, doch danach der direkte Übergang ins Studium. Wieder zurück, im Stress gefangen, aber ich glaube ich mag ihn viel lieber als diese Monotonie die hier über mich kommt. Es fehlt an Input, vollkommen. Viele freie Zeit zu haben um darin kreativ zu haben ist wie Straßen suchen auf dem Meer, weit draußen fernab von jedem Land. Kreativität entsteht genau wie die Perlen im Sekt - an den kleinen Unreinheiten, den Kristallisationskeimen. Ich glaube hier, in dieser Situation da fehlt mir jede Art von Keim. Hier gehe langsam ein, ohne zu merken, unten zu seine, aber ohne spüren, dass da noch irgendwo oben ist, nur langsam das Fühlen dabei zu verlernen...

Es gibt es nicht eine Abgeschiedenheit, die Glück verheißt. Jedenfalls nicht länger als einen Abend, wenn man genug von den Eindrücken der Welt hat und einmal die Stille sucht. Vielleicht habe ich das jetzt genug gesehen, so das ich versuchen werde, von den Lebensadern der Welt so viel zu schöpfen wie ich nur kann, solange ich das kann.

Das dritte Jahr des Studiums beginnt nun - manchmal denke ich, es hat sich doch nichts verändert. Ein suchender Blick hinaus in die Welt, ein vages Hoffen auf so viel mehr, ein Anspruch nach oben zu gehen. Manchmal die pragmatische Analyse, dass doch jede Erfahrung, jeder erneute Fehler den Horizont nur erweitert und einen lernen lässt. Manchmal die Verzweiflung. Die Frage warum ich dieses Fach studiere? Die Frage warum ich lebe? Selten. "Mangels Alternative" ist ja schon mal eine Antwort. Ich bin für viele Dinge unbegabt, für wenige wirklich begabt. Jeder sollte, denke ich, seine Fähigkeiten auch so gut es geht entwickeln und auf seine Art und Weise nach Höherem streben.

Ich habe genauso wenig Willen dazu irgendwas aufzugeben wie neues zu beginen. Ein Zustand, zwischen Ende und Neuanfang, zwischen Warten und Hoffen. Ich will neues, neue Herausforderungen, neue Möglichkeiten, neue Umgebungen. Ein Monat Amerika kann meinen Horizont nur erweitern, Zurück im Studium. Mein Tutorium wird definitiv eine Aufgabe sein, eine auf die mich freue. Etwas, wo ich mich gewisserweise entfalten kann. Wo neue Aufgaben warten und Möglichkeiten mich zu entwickeln.

Noch ein Songtextausschnitt, aus dem ich die Phrase "bleibt nur die Frage: Neubeginn" vorhin gehört habe. Ja, Dummheit zirkuliert in dieser Welt, und zwar ausgesprochen viel. Viel zu viel zu viel.


"Wenn müde Zungen sich verknoten
und die Dummheit wieder zirkuliert
siegt in jedem schwachen Herz die Intoleranz
ein Angriff als Verteidigung
und die Schlacht beginnt

Ich, Mensch, betrete diese Erde
eine Kugel
auf dieser steht ein jeder auf der Spitze
Vereinigung heißt gleiches Recht für Gleiche
sie ist kein Band zwischen Wort und Tat
kein fremdes Herz hab ich mehr berührt
kein fremdes Lächeln hab ich mir erhofft
und zuletzt bleibt nur die Frage:
Neubeginn?
" (Lacrimosa, Brennende Komet)

8.9.07 00:29


life belongs to me

Ich bewege mich hier in der weiten, weiten Welt. Weit weg von daheim, Eindrücke, die auf mich einströmen, so vieles aus dem täglichen Leben, neu und unbekannt, interessant und sehenswert. Hier ist vieles was ich noch sehen kann, was ich bisher nicht gesehen habe. Vieles, was es lohnt zu entdecken. Viele Leute, die ich hier kennenlerne, soviele wie sonst eigentlich nie, viele interessante Gespräche, Einsichten.

Achso, das ganze macht zeitweise wirklich Spaß. Es gibt Moment, da denke ich, ich kann da ja mitspielen. Bei Nacht in einem schön warmen Jacuzzi, mit einem Bierchen in der Hand und netten Leuten um sich. Es ist ja doch so einfach. Eine Welt die mir gefällt, aber doch bisher nicht meine? Die Grenzen meiner Welt, soweit ich sie mir daheim erschließen konnte, waren früher. Früher, was die Ausbreitung nach außen angeht. Innen, weit weg von der Küste der Insel, sicher vor den Fluten des Lebens geschützt, da brennt ein kleines Feuer. Vielleicht kommen nur wenige soweit heran, dessen Wärme zu spüren, diese Schönheit teilen zu können, die sich im Lichtschein kleiner Flammen abspielt.

Das Gefühl des Sommers bleibt uns hier noch länger in unseren Adern als in anderen Teilen der Welt. Glühende Hitze, zeitweise, in Übersättigung und Stille zu mir nehmend. Manchmal denke ich, schön das daheim der Winter wartet. Was bot der Sommer schönes? Viel draußen, viel am See. Viel flüchten, vor dem beengten Zimmer hinaus in das Sonnenmeer. Im Winter flüchtet man nur vor der Kälte, die einen draußen vertreibt. Hinein in ein kleines Reich und es darum zu schätzen wissen. Ein Blick hinaus in die Kälte und besser darum zu wissen drinnen gut aufgehoben zu sein. Ich habe mir viel vorgenommen, was das Studium angeht, und ich will auch viel erreichen. In diesen abstrakten Welten, da schwimmt Leben, und ich greife danach. Und es schimmert etwas höheres hindurch - nein kein höheres Wesen, der Aufstieg in höhere Sphären. Soweit kamen nur wenige, hier ist sowas wie ein Pfad am Gipfel entlang. Vielleicht ist noch zuviel Nebel um weiterzugehen, oder vielleicht können wir den Gipfel gar nicht sehen, weil wir nicht wissen wie hoch wir müssen. Nach unten da ist kein Nebel, nur die erreichte Strecke, so weit sind wir schon gekommen. Ich blicke zurück auf 4 Semester und ich will den Nebel sehen, will ihn langsam lichten sehen. Und ihn zerstören, vielleicht sogar mit mephistophelischen Lächeln - hier öffnen wir den Vorgang und sehen die lingua pura - was uns dirigiert, was uns die Logik vorgibt, und doch ein allein von Menschen geschaffenes Werk. Ein Werk für wenige.
21.9.07 10:43


what´s new about the new world?

Es geht mir gut soweit, hier in diesem von daheim so fernen Amerika. Vielleicht weil ja einfach gar nicht so viel Zeit dazu ist, allein mit mir zu sein. Es sind immer Leute um mich, Reize der Umgebung, Eindrücke von außen, die ein in in sich gekehrtes Reflektieren gar nicht so sehr möglich machen. Aber eben auch diese bangen Fragen an die Zukunft, zweifelnde Blicke in die eigene Vergangenheit, sie tauchen zwar immer wieder auf, aber verschwinden auch schnell wieder. Zwei Wochen, dann bin ich wieder daheim, dann geht jenes stressige Leben wieder los, das ich suchte, und lange nicht Ziel sein kann. Hier denke ich nicht so weit, nicht viel weiter über diesen Abschnitt, das hier ist Urlaub. Sind viele Leute, sogar ein wenig intellektuelles zu tun, ich komme zum lesen, ein wenig sogar zum schreiben. Lesen - ja ich glaube all die, die nach störkeren Reizen einmal süchtig wurden verstehen nicht diese seltsame Art der Freude wie ich sie beim lesen habe. Das geistige dahingleiten in einer eigenen Welt, in die man einfach so hineintauchen darf. Ich suchte mir immer eigene Welten, vielleicht weil die wirkliche Welt mir zu wenig bot, oder ich sie zu wenig verstand. Ich erschuf mir eigene Welten, mit Hingabe und mit dem Willen zu Vollendung. Vielleicht ist mir das so gut es ging mit meinem Roman geglückt - am zweiten Teil bin ich am zweifeln. Er ist zuviel Happy End, zu wenig Zweifel und Fragen. Ein ästethisches Ende, das dafür steht, was ich mir selbst immer erträumte. Vielleicht ist daraus Kitsch geworden. Ich habe selbst einmal geschrieben in den endlosen philosophischen Ergüssen des ersten Teils "Denn nur das letzte Werk, das darf in vollster Schönheit enden, denn ist das erreicht, so hast du die Aufgabe in deinem Leben schon erfüllt." Ein glückliches Ende ist auch ein Ende des Suchens. Die Zweifel und Tiefen die uns begleiten, müssen uns ein Wegweiser sein, wie es nach oben geht. Der Verlust ein Anreiz dafür nach neuem zu suchen. Ein Lernen aus den Verlusten für das Suchen nach mehr, aber eben doch nicht das reine Gold danach zu finden, auch wenn es glänzt.

Nach neuem Suchen. Sollte man hier, so weit weg, in so einem fernen Land, doch können? Es ist mehr ein Abziehbild mit einigen Detailänderungen von daheim. Lasse ein wenig Sozialstaat weg, füge etwas Kommerz hinzu. Okay, man darf auch mehr Ehrgeiz, mehr Zielstrebigkeit, mehr Optimismus dazufügen. Aber kulturell? Der so strapazierte Begriff der "Werte"? Da ist doch kein Unterschied. Es ist ein gemeinsames Streben nach mehr, mehr Gewinn, mehr Wachstum, persönlichem Reichtum. Und von diesen Dingen mehr als bei mir daheim. Aber sonst ist nicht so viel anders.
27.9.07 22:29





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